Sonntag, 31. Mai 2009

Tango und Kirchgang

Gestern Abend war das Finale des 7. Tangowettbewerbs unter Amateuren. Den gesamten Mai waren schon an unterschiedlichsten Orten in Buenos Aires Milongas und Tangos gewesen und die Finalisten tanzten jetzt um die Wette, oder um das begehrte Preisgeld. Der Eintritt war frei - ich hatte vorsichtshalber auch ein paar Schuhe mit Absatz angezogen - man weiß ja nie, ob man nicht doch auf die Tanzfläche muss, soll, darf...Es gab wieder einmal eine lange Schlange, alle standen an, hatten Eintrittskarten in den Händen, nach deren Ursprung ich mich interessiert erkundigte; denn, wenn es frei ist, warum dann eine Karte? Jedenfalls hatten alle die Karten entweder geschenkt bekommen, von einer Nachbarin erhalten oder Ähnliches...ich und Svenja stellten uns trotzdem einfach dazu und erhofften uns einen kleinen Ausländerinnenbonus. Ein nettes Lächeln a la "alemana" sollte es doch wohl richten. Von wegen! Wir hatten nicht mit den strengen Securitymännern gerechnet. Alle zurück! Bitte in zwei Reihen aufstellen, ordentlich und plötzlich war es auch noch ganz ruhig. Sollten wir zusätzlich auch noch schweigen? Wir wurden dann in 10er Gruppen auf die Treppe gelassen. Ich war vor Svenja, und wollte am Treppenabsatz auf sie warten. Auch das ging nicht. "Bitte oben auf sie warten!" war die Anweisung. Im Saal selbst gab es noch unheimlich viele freie Plätze und wir staunten einmal mehr. Egal, wir waren drin und konnten den Tänzerin zusehen.


Zuerst die Kategorie "senior": es waren Paare die sich eher gemächlich und sinnlich bewegten, denn akrobatisch, wie man es ja aus den Tangoshows kennt. Dann wurden die Paare immer jünger und auch dynamischer.





Jedes Paar hatte seinen eigenen Fanclub dabei der mal mehr mal weniger applaudierte und brüllte. Das Preisgeld von 10.000 Pesos wurde dann auch stürmich in Empfang genommen.



Heute morgen dachte ich: es ist Pfingsten, da könnte ich ja eigentlich mal eine deutsche Gemeinde austesten. Dank des Argentinischen Tageblatts war es möglich, auf der Gemeindeseite die Uhrzeiten herauszufinden. Mit dem Taxi ging es 40 Cuadras weit - ganz schön weit - das waren dann 30 Pesos. Der Taxifahrer meinte nur, es sei gut investiertes Geld. Auf dem Weg dorthin hat er mir Einiges von Buenos Aires gezeigt, was ich so noch nicht gesehen hatte. Vor der Kirche wurde ich gleich auf Deutsch angesprochen und im Gottesdienst selbst hatte ich eine Art Wiedererkennungseffekt mit Selzen: mein kreischigrosaner Pulli war ein Farbtupfer inmitten des Grau, Braun und Beige. Dazu die meist weißen Haare...sprich, ich habe den Altersdurchschnitt drastisch gesenkt. Der Gottesdienst war auf deutsch, der Pfarrer jagte uns etwas militärisch durch die einzelnen Rituale: war ein Moment der Einkehr und Besinnlichkeit angekündigt und ich war gerade dabei, innerlich einige Gedanken und Wünsche auszuformulieren, war es auch schon wieder vorbei und wir mussten aufstehen, knien oder uns wieder hinsetzen. Alles wurde streng von vorne geregelt. Beim Rausgehen hat er mich dann persönlich begrüßt und gefragt, was ich hier so mache...mit der letzten Praktikantin, die vorbeigeschaut hatte, hätte er sich angelegt - weil der Inhalt eines Artikels wohl nicht so seiner Meinung entsprach. Zum Mittagessen nächsten Sonntag wurde ich auch gleich eingeladen: aber bitte anmelden, Disziplin sei hier ganz wichtig! Ich überlege noch...

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