Dienstag, 12. Mai 2009

So sind sie, die Argentinier


Es macht einfach Spaß, stark zu verallgemeinern. Und wo kann man das besser als in einem anderen Land? Also, wie sind sie - die Argentinier? (starke Verallgemeinerungen, die zu einer leichten Schieflage führen können, bitte ich zu entschuldigen)
Erstmal sind sie garnicht so anders als die Deutschen, oder vielleicht die Europäer. Denn sie kommen ja von dort. Die Nachnamen heißen Finkelstein, Burger, Lopez usw. Auch kleidungstechnisch sehe ich keine so großen Unterschiede, obwohl die Männer hier gerne Hemden tragen und das Handy in der kleinen Schatulle am Gürtel auch noch zu den beliebten Acessoires gehört. Aber ansonsten, von hippy bis schick bis normal ist alles vorhanden.
Argentinier sind Zettelschnippser. Was das ist? Sie stehen am Bürgersteigrand und schnippsen mit kleinen Zetteln - laut und aufdringlich. Friseur für super-promo-Preis, Mittagessen, Maniküre...man sollte das kleine bunte Zettelchen nur auch mitnehmen, dann bekommt man sogar ein nettes "gracias" geschenkt.
Sie stehen gerne oder zumindest ausdauernd Schlange. Wer behauptet Engländer könnten Schlange stehen, der irrt! Es sind die Argentinier. Manchmal ist die Stehrichtung nicht sofort auszumachen, denn die Menschenschlange kräuselt sich nicht selten um einen gesamten Häuserblock. Folgt man der Schlange interessiert, endet diese oft in einer Bank...sehr oft.
Argentinier lieben ihren Mate. Ein Getränk, das man in einem putzigen kleinen Kürbis- oder Holzbehälter zu sich nimmt, mit einer schmucken Bombilla...erstaunlicherweise schmeckt mir der Matetee hier auch, in Berlin verstaubt er im Regal. Aber es ist auch eher das Mateteetrinkritual - tomar el mate - was ihn so sympathisch macht. In einer Runde wird der Mate rumgereicht und ständig mit heißem Wasser nachgefüllt. Argentinische Babies oder Kleinkinder im Alter von fast zwei Jahren verbinden zwei Dinge: Muttermilch trinken und Mate! Tatsächlich!
Argentinier lesen wie die Weltmeister. Auf der vor zwei Tagen beendeten Internationalen Buchmesse waren unheimlich viele Kinder und Jugendliche, Familien, ältere Damen...Herren...kurz: alle dort. Auf der Straße Corrientes, die für ihre Buchläden bekannt ist, kann man nachts um zwei in zig Läden spazieren, und schmökern. Argentinier scheinen ihr Land zu lieben und zu "hassen". Nie habe ich so oft gehört, dass ein Land bald "auf Grund gehen wird" (tocar fondo) und gleichzeitig wird die hellblaue-weiße Fahne überall stolz gehisst und die Nationalhymne angestimmt. Sie können auch erstaunlich widersprüchlich sein. Einmal hängen sie wohl mehr an ihren Familien als wir autarken Mitteleuropäaer. Die Eltern und die Familie sind wichtig und sie nennen sie liebevoll Mamita, oder ähnliche Kosenamen. Dann sprechen sie wieder von ihren "viejos", also den "Alten", was in unseren Ohren ja eher abwertend klingt. Versteh das einer. Es ist also ein spannendes Land, in das ich mal wieder gekommen bin. Also, dranbleiben...

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