Dienstag, 23. Juni 2009

Vatertag und countdown

Am Sonntag war hier Vatertag - día del padre. Ich hatte vorher schon einen Artikel fürs Tageblatt geschrieben und die männliche Emanzipation gepriesen (danke Bene für die Fotos, Du kommst sehr gut rüber!) Wahnsinnig viel passierte hier dann aber auch nicht. Die meisten gehen wohl nach Hause zum gemeinsamen Mittagessen. Ich wollte eher nach Uruguay, bzw. Svenja und ich wollten es. Durch die Wirren des Internets kam es dann aber anders: wir landeten im Stadtteil Mataderos und besuchten dort den oft erwähnten und angeratenen Gauchomarkt. "Da reiten sie rum, machen Kunststücke auf dem Pferderücken usw." Das klang aufregend. Der Weg dorthin war es auch. Svenja zückte mit einer beeindruckenden Routine ihren Guía-T (einen kleinen Busfahrplan, bei dem man zuerst schaut, wo man hinmöchte, dann guckt man auf der linken Seite im entsprechenden Kästchen, welche Busse auch dorthinfahren, dann schaut man, wo man gerade ist und wenn sich zufällig die Busnummern überschneiden, stehen die Chancen nicht schlecht. Also, mir ist das echt zu wirr. Ich laufe hier viel und nehme lieber die U-bahn. Aber Svenja blieb hartnäckig. "Also, die 126 müsste es eigentlich sein." Wir fragten nach, die 126 fuhr aber nicht in der Nähe ab, dafür die 5, die uns aber in einiger Entfernung des Marktes rauslassen sollte...
Der Markt war dann wirklich sehr nett. Die altgewohnten Rauchschwaden stiegen gen Himmel, man bereitete sich auf großen Fleischkonsum zur Mittagszeit vor. Ich entschied mich diesmal für eine halbe Rinderflanke, oder so sah es jedenfalls aus: ein riesen Fleischbrocken mit - na - nix dazu! Denn das argentinische Fleisch ist, laut Argentiniern, einfach so gut, dass man keine Soßen benötigt. Danach schlenderten wir über den Markt, streichelten Kunstpferdeköpfe, bestaunten geschliffene Messer, sahen beim Tango und bei Folklore zu, lauschten den Sängern, die sich im Halbstundentakt abwechselten...und Svenja entdeckte ihre Fotoliebe zu kleinen Schetlandponies, die mit allerlei Kitsch behangen, für Fotos oder Reiten rumstanden. Eine kleine Gitarre baumelte an der Seite, das Lama trug ein neckisches Hütchen keck auf dem Kopf, dazu noch etliche Bänder in den argentinischen Nationalfarben. Und plötzlich denke ich: die kenne ich doch...und wer ist es? Jemand, die auch am Lateinamerika Institut in Berlin studiert, in Schöneberg wohnt und jetzt auch hier drei Monate für die Magisterarbeit forscht. Die Welt ist klein! Nach einem deftigen Crepe mit dulce de leche gehts dann heim. Schön wars!



So würde ich es mir zutrauten, das Pferd aufzuzäumen.

Inniger Tango auf der Feria Mataderos

Und jetzt läuft der countdown...ein wenig. Ich brauche noch: etwas Mate, etwas Wein, vielleicht doch noch ein paar Schuhe, eine Handtasche (meine sei angeblich zu "bäuerlich", also was schickes, was fürs Abends in die Oper gehen oder so), Bücher...hach...schaffe ich das alles noch?
Es wird schon gehen, aber mir wird ein wenig schwer ums Herz beim Gedanken an den Abschied.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen