Der Markt war dann wirklich sehr nett. Die altgewohnten Rauchschwaden stiegen gen Himmel, man bereitete sich auf großen Fleischkonsum zur Mittagszeit vor. Ich entschied mich diesmal für eine halbe Rinderflanke, oder so sah es jedenfalls aus: ein riesen Fleischbrocken mit - na - nix dazu! Denn das argentinische Fleisch ist, laut Argentiniern, einfach so gut, dass man keine Soßen benötigt. Danach schlenderten wir über den Markt, streichelten Kunstpferdeköpfe, bestaunten geschliffene Messer, sahen beim Tango und bei Folklore zu, lauschten den Sängern, die sich im Halbstundentakt abwechselten...und Svenja entdeckte ihre Fotoliebe zu kleinen Schetlandponies, die mit allerlei Kitsch behangen, für Fotos oder Reiten rumstanden. Eine kleine Gitarre baumelte an der Seite, das Lama trug ein neckisches Hütchen keck auf dem Kopf, dazu noch etliche Bänder in den argentinischen Nationalfarben. Und plötzlich denke ich: die kenne ich doch...und wer ist es? Jemand, die auch am Lateinamerika Institut in Berlin studiert, in Schöneberg wohnt und jetzt auch hier drei Monate für die Magisterarbeit forscht. Die Welt ist klein! Nach einem deftigen Crepe mit dulce de leche gehts dann heim. Schön wars!
Und jetzt läuft der countdown...ein wenig. Ich brauche noch: etwas Mate, etwas Wein, vielleicht doch noch ein paar Schuhe, eine Handtasche (meine sei angeblich zu "bäuerlich", also was schickes, was fürs Abends in die Oper gehen oder so), Bücher...hach...schaffe ich das alles noch?
Es wird schon gehen, aber mir wird ein wenig schwer ums Herz beim Gedanken an den Abschied.
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