Gestern bin ich erfolgreich in Essen angekommen. "Essen ist großartig!", meinte mein Freund Mario in seiner gewohnt euphorischen Art. Ich war also gespannt. Als ich am Hauptbahnhof ankam, lachten mich erstmal lauter 70er Jahre Bauten an. Ich ging weiter und kann jetzt sagen: die Innenstadt von Essen ist eine große Fußgängerzone mit Menschen im Samstagmittagkaufrausch. Und eher hässlich. Also Mario, bei Deinen Begeisterungsausbrüchen bin ich jetzt noch vorsichtiger. Ein paar Backsteinbauten gab´s, Ikea war einer davon, ein riesiges futuristisch anmutendes Shopping-Center im Bau. Mehr habe ich auf die Schnelle nicht entdeckt. Aber ich musste ja weiter. Altenessen war das Ziel und dort die Zeche Carl, eine ehemalige Zeche, in der kulturelle Aktionen stattfinden. Zuerst kam das Interview, im Hintergrund jaulten sie bei den Proben, dann die Performance. Alle gingen in den Keller. Es war schwarze Nacht, und wirklich schwarze Nacht. Kein Lichtstrahl kam rein. Circa 20 atmente Menschen auf engstem Raum. "Mama. Wie hat denn Opi den Krieg überlebt?" kam es aus der Dunkelheit.
Die einzelnen Performances hatten das Überthema "Wie unsere eigene Geschichte die Berufswahl beeinflusst". Die meisten Sachen in den Kontext des Zweiten Weltkrieges gestellt. Was manchmal vielleicht etwas gesucht wirkte, war in Allem eindrucksvoll. Ein gehetzer, rennender junger polnischer Tänzer streifte seine weiße Malerhose ab und kletterte, nackt, auf einen großen Stein. Dort kauerte er, versteckte sich. Eine kleine Gruppe Auserwählter schaute zu. Ein Fußgänger ebenfalls. Ob er sich mehr über den nackten Mann, oder uns, als stumme Zuschauer gewundert hat?
Das Ganze ging drei Stunden. Ich war geschafft. Soviel input. Auf der Rückfahrt bin ich mit einem der Schauspieler nach Bonn gefahren und er hat mir noch einiges über die Geschichten und die Produktion erzählt. Jetzt ist die große Frage: Rheinischer Merkur - was willst Du davon wissen??
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